Lasst die Kinder in Ruhe!

Ein freizeitpädagogisches Statement für das "freie Spiel"

Es ist bekannt: Die starke Zunahme des Strassenverkehrs, der Missbrauch der Strasse als Parkraum, die Verdichtung der städtischen Ballungsgebiete, die Abnahme der Kinderzahlen und die Entdeckung der Kinder als Konsumenten (s. Kasten) haben in den letzten 30 Jahren dazu geführt, dass sich die Lebens- und Entwicklungsbedingungen für viele Kinder massiv verändert haben.

Freizeit ist ein Produkt der industriell-bürgerlichen Epoche. Alle Versuche, sie nicht negativ zu definieren (als Nicht-Arbeitszeit) scheitern an der Tatsache, dass Nicht-Arbeitende durch Konsum für die Produktion tätig bleiben müssen.
Kinder (und auch Jugendliche) sind Nicht-Arbeitende und also zum Konsum verdammt. Ein Augenschein in Kinderzimmern bestätigt es.

Monbijoupark LabyrinthGerade wohl die stärkste Veränderung für die Kinder betrifft die Möglichkeit, sich in ihrem Wohnumfeld selbständig und unbeaufsichtigt zu bewegen, zu spielen und andere Kinder zu treffen. Das "freie Spiel", jenes Spiel, welches in sich und aus sich selber seine Regeln definiert, ist kaum noch zu finden.

Die Folgen sind Bewegungsmangel, Mangel an Kontakt mit Gleichaltrigen, exzessiver Fernseh- und Computerkonsum, Unselbständigkeit und Phantasielosigkeit.

Unsere Gesellschaft hat es geschafft: Kindheit ist keine Subkultur mehr. Wir organisieren die Kindheit.

 

Es geht also nicht darum, die "freie Zeit", jene Zeit der Kinder, die nicht mit Schule, Aufgaben und sozialen Pflichten erfüllt ist, noch mehr zu "verplanen", sondern ihnen hier spannende und also anregende Räume für ihr eigenes Spiel zur Verfügung zu stellen.


Top